Prof.-Dr. Bernd-Ulrich Hergemöller
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Magnus versus Birgitta
Hergemöller, Bernd-Ulrich: Magnus versus Birgitta : der Kampf der heiligen Birgitta von Schweden gegen König Magnus Eriksson / Bernd-Ulrich Hergemöller. - Hamburg : HHL-Verl., 2003. - 250 S. : Ill., Kt. ; 24 cm, 360 gr.
(Hergemöllers historiographische Libelli ; 3)
Literaturverz. S. 12 - 23
ISBN 3-936152-03-9 kart.

Mit englischer und schwedischer Zusammenfassung, Quellen- und Literaturverzeichnis, Personen- und Ortsindex.

Der heiligen Mystikerin, Ordensgründerin und Politikerin Birgitta Birgersdotter von Schweden (1303-1373) wird gerade in diesem Jahr 2003, anläßlich der 700. Wiederkehr ihres Geburtstags, größere öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt denn je. König Magnus von Schweden und Norwegen (1316-1374), ihr Verwandter und Widersacher, ist bei uns nach wie vor so gut wie unbekannt. Dieses Büchlein möchte sich daher nicht in die hagiographische Literatur einreihen, sondern die Zeit Birgittas aus dem Blickwinkel der skandinavischen Politik betrachten. Es lenkt den Blick auf den Folkunger Magnus Eriksson, der für mehr als fünfzig Jahre die Kronen zwei Reiche, Norwegens und Schwedens, in Personalunion trug, schließlich durch Albrecht III. von Mecklenburg abgesetzt wurde und den Übergang auf das Unionskönigtum unter Margaretha von Dänemark einleitete. Sein Lebensweg, der bestimmt ist von Krisen, Konflikten und Niederlagen, wird von seiner Verwandten Birgitta durchkreuzt, die sich zum Ziel gesetzt hat, ihn wegen seiner Beziehung zu dem Ritter Bengt Algotsson zu stürzen. Das Büchlein sucht der Frage nachzuspüren, welche Rolle die verbotenen Männerliebe in der Biographie des Königs gespielt haben und in welcher Form Birgitta an dem Königssturz von 1362 beteiligt gewesen sein könnte. Der zweite Teil wird eingenommen durch systematische vergleichende Betrachtungen anderer „sodomitischer Könige“ des 14. Jahrhunderts (Edward II. von England, Wenzel, röm. u. böhm. König, sowie Richard II. von England) sowie durch einen Blick auf zentrale „antisodomitische“ Texte religioser Frauengestalten des Mittelalters wie: Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg und Katharina von Siena. Ein Buch, das gleichermaßen informiert wie provoziert!



Inhalt


Vorwort
Verzeichnis der Abkürzungen, Abbildungen und Verwandtschaftstafeln
Verzeichniss der Abbildungen und Verwandschaftstafeln
Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Darstellungen
Forschungsstand und Gegenwartsinteresse
König Magnus: Chronologische Fragmente einer Biographie
Die Mutter: Herzogin Ingeborg Håkonsdotter 1301-1361
Der Vater: Herzog Erik Magnusson 1303?-1318
Die Königswahl 1319
Unter Vormundschaft 1319-1332
König von Norwegen und Schweden 1332-1364
Dänemark und Schonen 1332-1343
Gesetzgebung 1335-1355
Blanche von Namur 1334-1363
Aufhebung der Personalunion 1343-1355
Bengt Algotsson 1350-1360
Sohn gegen Vater I: Erik Magnusson 1356-1359
Sohn gegen Vater II: Håkon VI. Magnusson 1361/1362
Birgitta Birgersdotter 1303-1373
Anfänge Albrechts III. 1362-1365
Das Ende: Freikauf und Seemannstod 1371-1374
Systematische Interpretationen und diskursive Korollarien
Psychohistorische Entwicklung des Königs im Spannungsfeld der politischen Interaktionen und Geschlechterbeziehungen
Reichs- und verfassungsrechtliche Diskursivierung
Begrifflichkeit
Dualismus von Monarchie und Aristokratie
Kirche und Kirchenrecht
Die »Vision« Birgittas vom Königssturz: Aufruhrprogramm oder Geschichtstheologie?
Birgitta im Kontext anderer »antisodomitischer« Theologinnen
Hildegard von Bingen 1098-1179
Mechthild von Magdeburg 1207?-1282?
Katharina von Siena 1347-1380
Die vier Theologinnen im thesenhaften Vergleich
Magnus im Vergleich mit anderen »sodomitischen« Königen des 14. Jahrhunderts
Edward II. von England 1307-1327
Richard II. von England 1377-1400
Wenzel, böhmischer und römischer König 1376-1400/1419
Die vier Könige im thesenhaften Vergleich
Zusammenfassung
Summary
Sammanfattning

Verzeichnis der Personennamen
Verzeichnis der Ortsnamen
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Vorwort

Dieses Büchlein handelt von zwei höchst unterschiedlichen Figuren: von einer skandinavischen Herrschergestalt des 14. Jahrhunderts, die heute im deutschen Sprachraum fast völlig vergessen ist, und von einer der berühmtesten Heiligen des Mittelalters, die heute mehr denn je im Zentrum der internationalen Forschung und Verehrung steht. Es ist in der Intention geschrieben, die eine Person, König Magnus, von den zeitgenössischen und späteren Verzeichnungen zu befreien und die andere, Birgitta von Schweden, als selbstermächtigte politisch handelnde »Ausnahmefrau« vorzustellen, ohne ihre Rolle als Mystikerin, Theologin und Ordensgründerin zu vergessen. Durch den Vergleich mit anderen Königen beziehungsweise anderen »Theologinnen« des Mittelalters soll ferner die Frage beleuchtet werden, nach welchen Kriterien und Maßstäben die Zuschreibung der »Widernatur« und des »sodomitischen Handelns« im Mittelalter erfolgte und auf welche Weise diese Zuschreibungen dem aktuellen Verständnis vermittelt werden können.

Die Biographie der heiligen Birgitta, der Text ihrer Revelationes Extravagantes und ihr Konflikt mit König Magnus Eriksson standen im Mittelpunkt mehrerer Lehrveranstaltungen, die der Verfasser in den letzten Jahren abgehalten hat. Es kristallisierte sich ein kleines informelles »Birgitta-Team« heraus, das die gewonnenen Ergebnisse auch nach Abschluß der Seminare aus eigenem Interesse intensiv weiter verfolgte. Meine Mitarbeiterin Frau Dagmar Hemmie M.A. hat hierbei die skandinavische Literatur gesichtet und zahlreiche umfangreiche Exzerpte aus den schwedischen und dänischen Darstellungen angefertigt, die mir, weil der nordischen Sprachen unkundig, als Arbeitsgrundlage dienten; sie fertigte ferner das Ortsregister an und betreute den Entstehungsprozeß durch Korrekturlektüre und Internetrecherche. Die schwedische Fachliteratur verarbeitete auch Herr Göran Schmidt, der zusammen mit Frau Eleonore Yassine eine profunde Hausarbeit über die Opposition gegen Magnus Eriksson schrieb und auch weiterhin mit Rat und Tat weiterhalf. Frau Andrea Seliger übersetzte die Zusammenfassung ins Schwedische, Frau Christiane Munder M.A. ins Englische; beiden danke ich für Ihre rasche und sachkundige Arbeit. Nicht zuletzt danke ich auch meiner Senior-Studentin, Frau Mathilde Schlick, die sich zu einer Expertin für die Birgitta-Genealogie entwickelte und auch Forschungsfahrten in andere Universitätsstädte unternahm, um mich mit fernen Leihen zu versorgen. So kann ich, was die erste Hälfte dieser Publikation betrifft, nicht eigentlich als Verfasser, sondern eher als Herausgeber zeichnen. In dem zweiten Teil habe ich mich dann von dem vorliegenden Forschungsstand gelöst, indem ich den entscheidenden Text Birgittas ausführlich interpretiert und die Hauptpersonen, Birgitta und Magnus, in den Kontext zeitgenössischer Parallelfiguren einzubinden versucht habe.
Daß diese Schrift 700 Jahre nach der Geburt Birgittas, in dem großen Jubeljahr zu Ehren der Heiligen, erscheinen sollte, war ursprünglich nicht beabsichtigt. Wenn dieser Umstand aber einen kleinen Beitrag dazu leisten könnte, die internationale und interdisziplinäre Diskussion über Magnus und Birgitta neu zu beleben, dann wäre dies mehr als geplant.
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Forschungsstand und Gegenwartsinteresse

Magnus Eriksson, König von Schweden und Norwegen, gehört zu dem Kreis der berühmten Langzeitregent(inn)en des vierzehnten Jahrhunderts: zu Kaiser Karl IV. aus dem Hause Luxemburg (1346-1378), der 32 Jahre lang als römischer König und König von Böhmen amtierte, zu dem Piasten Kasimir dem Großen von Polen (1346-1370), der es auf 37 Jahre brachte, zu dem Angioviner Ludwig dem Großen von Ungarn (1342-1382), der vier Dezennien vollendete, zu dessen Cousine Johanna I. von Neapel (1343-1382), die nach neununddreißigjähriger Regentschaft ermordet wurde, zu Edward III. von England (1327-1377), der mit fünf Jahrzehnten alle anderen übertrumpfte, zu Waldemar Atterdag von Dänemark (1340-1375), mit Einschränkungen auch zu Charles V. dem Weisen (1364-1380) und Charles VI. dem Wahnsinnigen (1380-1422) von Frankreich sowie zu Karls IV. Sohn Wenzel (1376-1419), der im Jahre 1400 von einer Kurfürstenopposition abgesetzt wurde, oder zu dem letzten Plantagent auf dem englischen Thron, Richard II. (1377-1399). Magnus gebot überdies über zwei Reiche und ausgedehnte Gebiete: über Norwegen und Schweden einschließlich der Inseln Grönland und Island sowie des heutigen Finnland. Die Gesetze der dynastischen Erbfolge hatten ihn aus einer kaum begonnenen Kindheit herausgerissen und die Fluchtlinien für die Konfliktfelder eines wechselhaften und unglücklichen Lebens vorgezeichnet. Im Jahre 1319, im Alter von drei Jahren, trat er die Königsherrschaft als Nachfolger Håkons V. in Norwegen und Birgers Magnusson in Schweden an. Bis zu seinem »Seemannstod« im Jahre 1374, also 55 Jahre lang, trug er eine oder mehrere Kronen, wenngleich er, auch hierin ein Einzelfall in der europäischen Geschichte, sicherlich häufiger für entmachtet oder abgesetzt erklärt wurde als jeder sonstige Regent seiner Zeit.

Trotz dieser Charakteristika, die ihn für das »Buch der Geschichte« zu prädestinieren scheinen, ist Magnus bei uns so gut wie unbekannt. Im deutschen Sprachraum existiert keine einzige Biographie, die sich seines aufregenden Lebens annimmt, ja, nicht einmal ein Kleinbeitrag zur Analyse seiner Politik oder seiner historiographischen Rezeption. Einen gewissen Ersatz bildet die 1938 publizierte Untersuchung von Viljo Nordman über Herzog Albrecht III. von Mecklenburg, in der die Regierungszeit Magni fundiert, wenngleich mit abwertender Tendenz, berücksichtigt wird. In Heinz Stoobs Aufsatz über Karl IV. und den Ostseeraum (1970), in dem die Itinerare Karls IV. und Waldemars Atterdag gewissermaßen übereinanderprojiziert werden, wird Magnus nur mit peripheren Bemerkungen abgetan; ähnlich sieht es in dessen altbackener Geschichte der Hanse aus. Die profunden Arbeiten Erich Hoffmanns über das Königreich Dänemark im Mittelalter und über das Verhältnis Waldemars Atterdag zur Hanse bieten, wenngleich sie nicht auf Magnus fokussiert sind, zahlreiche Informationen zu Schweden. Coings Handbuch zur Rechtsgeschichte weist einen komprimierten Überblick über die schwedische Gesetzgebung dieser Zeit auf und zeigt auf diese Weise zugleich das Desiderat einer systematischen ausführlichen Darstellung im Rahmen eines europäischen Vergleichs auf. Wichtige Ergänzungen hierzu liefert Armin Wolf, der die »Folkunger« in das europäische Thronfolgesystem einordnet und (1987) auch zur genealogischen Analyse der Chroniken beiträgt.

Wer sich umfassend mit Magnus Eriksson, seiner Zeit und seinem Umfeld auseinandersetzen will, ist also auf die kenntnisreiche schwedische Literatur angewiesen, die zudem aus einer unvoreingenommenen Perspektive geschrieben ist. Sven Tunberg legte 1926 eine Gesamtdarstellung der schwedischen Geschichte vor, in der er die Regierungszeit des Herrschers sehr detailliert abhandelt. Eine ausführliche Analyse der narrativen Quellen, die zur schwedischen Geschichte des 14. Jahrhunderts vorliegen, liefert Ingvar Andersson in seiner 1928 erschienenen Untersuchung. Er kann nachweisen, daß alle schwedischen Chroniken dieser Zeit auf den »Offenbarungen« Birgittas beruhen. Ein von Birgitta losgelöstes Bild geben Sten Carlsson und Jerker Rosén in einer populärwissenschaftlichen schwedischen Geschichte, deren zweiter Band kurze Abrisse zu Hauptthemen dieser Zeit enthält (1979). Die einzige Monographie über Magnus Eriksson veröffentlichte bislang Michael Nordberg im Jahre 1997. In diesem grundlegenden Werk wird ein expliziter Vorzeichenwechsel vorgenommen, in der Form, daß König Magnus unter sorgfältiger Berücksichtigung aller Quellen gegenüber dem von Birgittas Haß geprägten Bild rehabilitiert wird. Es wäre ein großer Gewinn, wenn Nordbergs Werk auch ins Deutsche übersetzt werden würde. Aus der norwegischen Forschung ist der elaborierte Aufsatz von Grethe A. Blom hervorzuheben, der mit Hilfe minutiöser Quelleninterpretation die Politik der Königinmutter, Herzogin Ingeborgs, für die Jahre 1318 bis 1330 rekonstruiert und dabei zugleich deren Bild von der Schwarzmalerei befreit (1983).

Ansonsten müssen wir, wenn wir etwas über Magnus erfahren wollen, den Umweg über die als römisch-katholische Heilige verehrte Birgitta Birgersdotter nehmen. Magnus und Birgitta gehören somit, historisch und historiographisch gesehen, untrennbar zusammen. Die Schriften Birgittas aus den 1350er und 1360er Jahren, insbesondere die sukzessiv komponierten Revelationes und die Revelationes Extravagantes, bilden die Quellen, die in größter zeitlicher Nähe zum Geschehen in Schweden entstanden. Es fehlt aber bis heute an einer systematischen interdisziplinären Interpretation dieser hochinteressanten Werke sowie an einer Übersetzung ins Deutsche, (während eine Übersetzung ins Englische für das Jubiläumsjahr 2003 angekündigt ist). Außerdem kann sich die Forschung nicht auf eine historisch-kritische Gesamtausgabe der birgittinischen Werke stützen, sondern muß sich mit Teilausgaben unterschiedlicher Qualität und Provenienz abplagen. Die anderen zeitnahen Quellen, das »Büchlein über König Magnus Eriksson« (Libellus de Magno Erici rege, ca. 1365-1371), zu dem die »Källstudier« von Ingvar Andersson zu vergleichen sind (1928, S. 151-173), sind in ihrer Tendenz von Birgitta abhängig. Der erste Libellus war direkt von der Heiligen beeinflußt, der zweite stammte aus der Feder eines Freundes der Mecklenburger. Die Chroniken des 15. und 16. Jahrhunderts, vor allem die des Ericus Olaus (1422-1486), Johannes Magnus (1488-1544) und Laurentius Petrus (1499-1573), leicht zugänglich in den Scriptores Rerum Svecicarum Medii Aevi, sind als Quellen zur Person Magnus kaum hilfreich, allenfalls als Zeugnisse für die vom Geist Birgittas durchdrungenen ersten Rezeptionsphase. Mehrere Forscher(innen), Gottfrid Carlsson, Olle Ferm und Bridget Morris, haben sich in quellenkritischen Aufsätzen mit den Äußerungen der heiligen Birgitta über die Absetzung des Königs auseinandergesetzt, die sie in einem Autographen der Heiligen und im Kapitel 80 der »Extravaganten« niedergelegt sehen. Die deutsche Forschung hat diese Thesen bis heute unkritisch übernommen, ohne sich intensiv mit der Problematik des »Aufruhrprogramms« und den Details des Königssturzes von 1362 zu beschäftigen.

Die neuere Birgitta-Forschung hat sich vor allem im angloamerikanischen Sprachraum etabliert und einen hohen Stand an Exaktheit und »Diskursivität« erreicht, wie die Arbeiten von Arne Jönsson, Bridget Morris und Rosalynn Voaden zeigen. Hans Torben Gilkær geht in seinem Werk über die political ideas weit über den engeren Bezug zu Alfonso Pecha (dem letzten geistigen Berater Birgittas) hinaus, indem er sowohl genaue Analysen der augustinischen Staatslehre als auch quellennahe Informationen über die finanziellen Probleme des Königs in dessen Konflikt mit dem Reichsrat liefert (1993). Die deutschen Publikationen verharren demgegenüber noch weitgehend in einem vorkritischen, hagiographischen Stadium. Ein besonderes Ärgernis bildet das weitverbreitete Werk des katholischen Theologieprofessors und päpstlichen Hausprälaten Ferdinand Holböck, Gottes Nordlicht, das von genaueren ereignisgeschichtlichen Kenntnissen ungetrübt, die grobschlächtigen Verzeichnungen König Magnus’ tradiert und diesen sogar in die Ecke Hitlers rückt. Frauen- und geschlechterspezifische Analysen, wie sie von Sabine Tanz in einem kurzen Aufsatz angesprochen werden (1993), befinden sich noch in der Erprobungsphase, versprechen aber einen Gewinn, da sie aus einem großen Quellenbestand schöpfen können. Auch Tanz kann sich jedoch nicht von den tendenziösen Vorgaben befreien und bezeichnet Magnus als »charakterschwach und frivol«. In diesem Zusammenhang müßten auch andere interessante Frauengestalten dieser Zeit, wie Magni Mutter Ingeborg Håkonsdotter, seine Schwester Euphemia oder Margarete von Schweden, inhaltlich und methodisch neu erschlossen werden; Grethe Bloms Studie über die politische Phase Ingeborgs zeigt anschaulich, welche Möglichkeiten solche Vorhaben bieten.

Der deutsche Forschungsstand zu den anderen »antisodomitischen Theologinnen«, die im Anschluß an die Interpretation der Revelationes Extravagantes im kurzen Vergleich vorgestellt werden, nimmt sich insgesamt höchst bescheiden aus. Keine der aufgeführten Frauen ist bislang in den Kanon der hiesigen Mediävistik aufgenommen, das heißt, bio- oder monographisch gewürdigt worden. Dies gilt sogar von Hildegard von Bingen, über die mehr Bücher geschrieben wurden als über jede andere deutsche Nonne des Mittelalters. Die interpretatorischen Grundlagen zur Allegorese und Metaphorik im Werk Hildegards, die in der Hamburger Habilitationsschrift des vom NS-Regime verjagten jüdischen Geisteshistorikers Hans Liebeschütz (1893-1978) gelegt wurden, wurden wegen ihres philosophie- und mythologiegeschichtlichen Tiefgangs bis heute noch nicht kongenial reflektiert. Sehen wir von einigen Spezialuntersuchungen ab, die zu Hildegards 800. Todestag (1979) beziehungsweise 900. Geburtstag (1998) verfaßt wurden, so hat die Forschung das Feld ausschließlich einigen katholischen Theologinnen (wie Adelgundis Fuhrkötter, Annemarie Eder oder den Herausgeberinnen der Werke im Corpus Christianorum) und dem hochdekorierten Medizinhistoriker Heinrich Schipperges überlassen, der seit Jahrzehnten eine Art Monopol auf sogenannte Übersetzungen zu besitzen scheint. So fehlt fast alles: Eine wissenschaftlich kommentierte Gesamtausgabe, vollständige und textgetreue Übersetzungen mit Apparat, naturwissenschaftliche Erläuterungen, theologische Interpretationen sowie eine umfassende biographische Rekonstruktion ihres Lebens und Umfelds, die die bisherigen hagiographischen Versuche ersetzt. In dieses Vakuum ist eine komplette Hildegard-Industrie eingedrungen, die vom Hildegard-Kamm bis zur »Viriditas-Pille« ein komplettes Programm zur esoterischen Lebenshilfe bereithält.

Mechthild von Magdeburg wurde sowohl in der mittelalterlichen Verehrungspraxis als auch in den neuzeitlichen Editionen und Interpretationen immer hinter ihre berühmten Mitschwestern aus Helfta, Mechthild und Gertrud zurückgestellt. Es dauerte bis 1990 und 1995, bis eine wissenschaftliche Edition (Hans Neumann) beziehungsweise ein angenehme Übersetzung (Margot Schmidt) ihres Hauptwerks vorgelegt wurden. Mittlerweile wird der eigenständige geistige Gehalt des »Fließenden Lichts« von der Germanistik und von der katholischen Dogmatik (Marianne Heimbach-Steins) herausgestrichen. Sven Limbeck hat sich als erster ausführlicher mit Mechthilds Beitrag zur antisodomitischen Teufelslehre auseinandergesetzt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Katharina von Siena spielt sich vor allem in Italien ab: Ihre Briefe (Lettere), ihr Libro (oder Dialogo della divina provvidenza) und ihrer Gebete (Orazioni) liegen seit dem Pontifikat Pauls VI. (der Katharina zur Kirchenlehrerin erhob) in guten italienischen Editionen vor; daneben sind verschiedene italienische Kongreßakten und Bibliographien erschienen. Hans-Urs von Balthasar hat sich jedoch schon 1963 mit einer Übersetzung des Libro um die Rezeption Katharinas diesseits der Alpen bemüht. Es beruht zum Teil auf den philologischen Schwierigkeiten, die mit einer Exegese dieser Werke verbunden sind, zum anderen auf einer Art Aufgabenteilung zwischen Theologie und Historie, daß Katharina von der deutschen Mediävistik noch nicht recht wahrgenommen wurde. In den Werken Peter Dinzelbachers und Dieter R. Bauers über die mittelalterliche Visions- und Mystik-Literatur wird ihr jedoch stets ein prominenter Platz eingeräumt: In diesem Kontext beschäftigt sich Roswitha Schneider mit dem subjektiven Profil Katharinas als Mystikerin (1985) und J. Jungmayr mit der Dialektik von Laienmystik und Politik (1986). Völlig vernachlässigt wurden bislang ihre zahlreichen Briefe, die eine wahre Fundgrube zur Theologie und Spiritualität, aber auch zur politischen Ereignisgeschichte des 14. Jahrhunderts, darstellen.

Wenngleich die Quellen und Darstellungen zu Person und Politik der drei zum Vergleich herangezogenen Könige durchaus stattliche Ausmaße angenommen haben, so sind bis heute im deutschen Sprachraum noch keine historisch-kritischen Biographien über Edward II., Richard II. oder Wenzel erschienen, und selbst die englischen beziehungsweise tschechischen Historiographen befinden sich noch in einer auffälligen Bringeschuld. Was Edward II. betrifft, so hat sich die Forschung der negativen Sichtweise der zeitgenössischen Chronisten weitgehend angeschlossen und die unvoreingenommene Betrachtung seines engeren persönlichen Umfelds (Gaveston, Despenser) streng tabuisiert. Auch das knappe, recht gelungene Lebensbild von Natalie Fryde (1979) steht noch unter dem Motto: »Tyrannei und Untergang«. Die ältere Forschung (Stubbs, Lapsley, Hoyt, James Davies) richtete den Blick ausschließlich auf die Rechts- und Verfassungsgeschichte, während die neueren Monographien das komplizierte Geflecht der Adeligen und der macht- und verfassungspolitischen Strukturen dieser Zeit durchleuchten: James C. Davies (1967) analysiert in zwei großen Kapiteln die Struktur des königlichen Haushalts und die Entwicklung des englischen Parliaments bis zum Tod Edwards II., um zu demonstrieren, daß gerade die sogenannten Krisenzeiten zu verstärkten Aktivitäten auf dem Gebiet der Verfassungs- und Verwaltungsreformen geführt haben. Eine gute Ergänzung hierzu bildet das Werk John R. Maddicotts über Thomas von Lancaster, das das Bild der Zeit aus der Perspektive des größten Edward-Gegners zeichnet und sich ausführlich mit den Ordainers und den einzelnen Ordinances beschäftigt. Durch den Nachweis, daß in Wahrheit nicht Edward, sondern Lancaster die entscheidende politische Figur dieser Zeit gewesen ist, wird das biographische Ärgernis Edward II. geschickt ausgeschaltet, ohne den Gesetzen der historischen Zunft zu widersprechen.

Die Publikationen zu Richard II., die erst in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts einsetzen, waren bis 1997 ebenfalls wenig an der Biographie des Herrschers interessiert. In diesem Jahr erschien die beeindruckende Monographie von Nigel Saul, die das Forschungsfeld für lange Zeit bestimmen wird. Die handbuchartige Quellensammlung von Given-Wilson verdeutlicht bereits durch ihren Titel Chronicles of the Revolution, daß diese Zeit nicht von der Person des Königs, sondern von den sozialen und religiösen Unruhen und Reformen beherrscht wurde. Mit besonderer Sorgfalt und Akribie hat sich die englische Forschung ferner der komplizierten Quellenlage und der Textgeschichte der Chroniken angenommen (George B. Stow, John Taylor, James L. Gillespie). Königin Anna von Luxemburg, die die Brücke zwischen Böhmen und England schlägt, wird von Katherine Walsh in ihren religiösen, literarischen und politischen Bezügen dargestellt (1998). König Wenzel wurde seit 1788 nicht mehr zum Gegenstand einer deutschsprachigen Biographie erhoben: Damals erschien der erste Band von Franz Martin Pelzels (1734-1801) Lebensgeschichte des Römischen und Böhmischen Königs Wenceslaus (2. Bd. 1790), die dem weitgehend unbekannten König zu einem Platz in der deutschen und tschechischen Geschichte verhalf. Die auf dem Höhepunkt des Zweiten Weltkriegs publizierten Aufsätze von Helmut Weigel versuchen erstmalig, das Verhältnis Wenzels zu den Kurfürsten und den Einfluß hoher Kirchenmänner auf die Frühphase des Herrschers darzustellen. In lupenreiner NS-Terminologie bewegt sich noch 1969 bis 1971 Wilhelm Hanisch, der in einer Aufsatzreihe in den »Ostbairischen Grenzmarken« die Frage nach der Homosexualität des Königs mit erb- und rassebiologischen Gedanken belastet. Der Durchbruch zur wissenschaftlichen Wenzel-Forschung wird erst in der jüngeren tschechischen Forschung vollzogen: Ivan Hlavácek legte eine Monographie zur Kanzlei Wenzels vor, die den Nachweis erbrachte, daß die Verwaltung einen hohen Stand an Produktivität erreicht hatte und von den politischen Wirren unbeeinflußt blieb. Jiří Speváček stellt in seinem umfassenden Werk Václav IV. eine Synthese zwischen der politischen Ereignisgeschichte und der Sozial-, Kultur- und Religionsgeschichte her, so daß die Verbindungen zwischen der Person des Herrschers und dem frühen Hussitismus deutlich hervortreten. In der BRD und in der DDR entstanden ferner zwei Dissertationen, die in mustergültiger Form bestimmte Einzelaspekte untersuchten: Wilhelm Klare analysierte die Umstände der Königswahl; Thomas Holtz das Verhältnis der Reichsstädte zur Zentralgewalt und zu den Landesherren.


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Zusammenfassung

Die Ausführungen zu König Magnus Eriksson hatten zwei Ziele: zum einen die Präsentation einer im deutschen Sprachraum fast unbekannten Herrschergestalt aus dem spätmittelalterlichen Skandinavien, zum anderen der Versuch, diese Person im »verstehenden Erklären« von den Verzeichnungen der Hagio- und Historiographie zu befreien. Magnus gehört in die Reihe der berühmten »Langzeitregenten«, die dem 14. Jahrhundert einen besonderen Charakter als Epoche der Dynastien und Personen verleihen. Über mehr als fünf Jahrzehnte stand sein Name für eine Personalunion oder enge Kooperation mit dem Königreich Norwegen, für eine Freundschaft mit England, Frankreich und dem römischen Kaiser sowie für ein diplomatisches Taktieren gegenüber Dänemark, Holstein und der Hanse, das in moderner Abstraktion als Politik der »balance of powers« angesehen werden kann: Einerseits suchte er im Dauerstreit um Schonen die Hanse und Holstein gegenüber Dänemark zu mobilisieren, andererseits verweigerte er der Hanse den lebensnotwendigen Zuzug, wenn es galt, die Dänen zu schlagen. Die Tatsache, daß er die Regentschaft schon früh mit seinen Söhnen teilen mußte, mehrfach entmachtet und schließlich (1364) von dem Mecklenburger Albrecht (III.) abgelöst wurde, verhinderte allerdings, daß er auf dem Weg zu einem skandinavischen Unionskönigtum größere Fortschritte erzielen und insgesamt ein politisches Profil erlangen konnte, das dem seiner anderen »Langzeitkollegen« auf dem europäischen Festland entsprach. Im Inneren steht sein Name für eine Vereinheitlichung des Rechtssystems (und damit der schwedischen Sprache und des Nationalbewußtseins), für eine Förderung der kirchlichen Besitzungen und für eine Verfeinerung der höfischen Sitten (dank französischen Einflusses). Andererseits ist der Name »Folkunger« mit einer Serie von innerfamiliären Bluttaten belastet, die gewissermaßen als »Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln« verstanden wurden und letztlich den Untergang der Folkunger beschleunigen halfen. Die Exilierung und Tötung seines engsten Freundes Bengt Algotsson verstärkte in Magnus die Tendenz zu unberechenbaren Aktionen und Gewalttaten, ohne daß gesagt werden könnte, ob auch er persönliche Schuld an politischen Auftragsmorden trägt.

Das »verstehende Erklären«, der emphatische Nachvollzug der königlichen Biographie in allen Zwängen und Problemen, sollte dazu beitragen, Magnus von ungerechtfertigten Zuschreibungen zu befreien. Diese lassen sich fast ausschließlich auf eine einzige Person zurückführen, auf seine Verwandte Birgitta Birgersdotter: Diese entwirft unter Verwendung biblischer und literarischer Stereotype das Bild eines Tyrannen, der sich durch die Sünde des widernatürlichen Geschlechtsverkehrs, durch Verrat, Unfähigkeit und Unkirchlichkeit um das Recht auf Herrschaftsausübung gebracht hat. Von den zeitgenössischen und späteren, lutherischen Quellen, wird diese Vorstellung kritiklos übernommen und ausgeweitet. Aus dieser damnatio memoriae resultiert der Umstand, daß die deutschsprachigen Werke König Magnus bislang entweder vollständig ignoriert oder nur mit negativen Randbemerkungen bedacht haben. Von diesen Verzeichnungen befreit, erscheint Magnus nicht als »Tyrann«, sondern als ein physisch und psychisch überforderter Herrscher, der nicht die Kraft besaß, zwischen den verschiedenen rivalisierenden Instanzen, dem Umfeld seiner Mutter, seinen Söhnen, dem Hochadel, dem Hochklerus, den Ratsgremien zweier Königreiche und den außerschwedischen »Raubtieren« (um ein Bild Birgittas zu verwenden), eine selbständige Machtposition zu errichten.

Zum näheren Verständnis schien es ferner hilfreich, König Magnus mit anderen Herrschern des 14. Jahrhunderts zu vergleichen, die ebenfalls mit dem Stigma der »Sodomie« oder »widernatürlichen Unzucht« versehen wurden. Zwischen Edward II., Richard II. und König Wenzel bestehen erstaunliche biographische und politische Parallelen, die sich bis in die Details der Absetzungsurteile erstrecken: die Erhebung im Kindesalter und damit die Verhinderung einer angemessenen Ausbildung, die Abhängigkeit von mütterlichen oder adeligen Vormunden, die Vergrößerung des personengebundenen Hofstaates und der Aufbau einer einflußreichen Kamarilla, die allgemeine Neigung zu Luxus und Verschwendung, das objektive Desinteresse am Primat der Tagespolitik, die Tendenz zu ungezügelten Aggressionen bis hin zu sadistischen Ausfällen.

Das quellenmäßig belegbare (und in diesem Sinne objektive) Verhalten der Könige zu ihren engsten Freunden zeichnet sich zumindest in drei »Fällen« (Edward, Richard, Magnus) durch drei Momente aus: durch eine bis zur Hörigkeit reichende Abhängigkeit des Königs in allen persönlichen und politischen Fragen, durch eine traditionswidrige Beförderung der Freunde in die höchsten und gewinnträchtigsten Ämter und durch eine Veräußerlichung des emotionalen Empfindens. Das erste Moment, das der Abhängigkeit, wird exemplarisch durch Edward II. verdeutlicht, der die anwesenden Großen wie Luft behandelt und seine Worte ostentativ an seinen Freund (Piers Gasteston) richtet; das zweite Moment zeigt sich in der Vergabe von Fürsten- und Regententiteln und (zum Teil) in der »Ansippung« der Freunde an die königliche Familie, das dritte in gemeinsamen Auftritten, Jagden, Turnieren und Trauerszenen. Das Verhalten der Königskritiker wird in allen Fällen von einem exterministischen Willen bestimmt; es offenbart Vorstellungen von straffreier Tötungslizenz, die nicht durch Recht und Gesetz begründet waren. Dieser Eliminierungswunsch erfaßte in zwei bis drei Fällen auch die Person des Königs; während Edward und Richard direkt ermordet wurden, wurde Magnus in ein Verlies geworfen, aus dem es nach allgemeinem Ermessen kein Entrinnen gab.

Ein weiteres Ziel dieser Studien war es, die Rolle Birgittas Birgersdotter aus den Einseitigkeiten der hagiographischen Literatur und der binnendisziplinären Theologisierung zu lösen. Die Integration dieser Frau in den Rahmen der Ereignisgeschichte bedarf allerdings einer Neuinterpretation ihres Gesamtwerks, das sich einerseits aller methodischen Hilfen der »mediävistischen Exegese«, andererseits aller Hilfsmittel der historisch-kritischen Quellenanalyse bedient. Eine solche Analyse muß eine hermeneutische Distanz zu dem Objekt ihrer Anschauung beachten und die vorgefundenen Aussagen stets mit anderen zeitgleichen Quellen abgleichen. An einem kleinen, zentralen Text, am Beispiel des 80. Kapitels der Revelationes Extravagantes, wurde exemplarisch zu zeigen versucht, wie eine derartige Neuinterpretation aussehen könnte. Birgittas politische Rolle bestand nach unserer Interpretation darin, daß sie seit ihrer Entlassung vom Hofe indirekten Einfluß auf die schwedische Politik ausübte, indem sie ihren Sohn (Karl Ulfsson) und einen ihrer Schwiegersöhne (Bengt Filipsson) in den Jahren 1361/1362 im Kampf gegen König Magnus Eriksson unterstützte. Sie warf dem König vor, mit seinen Freunden, insbesondere mit Bengt Algotsson, widernatürliche Unzucht zu treiben und Gottes Zorn über das Land heraufzubeschwören. Sie verfaßte kein »prophetisches Aufruhrprogramm«, sondern legte nach der Wiederversöhnung Magnus’ mit Håkon VI. (April/ Mai 1363) eine theologische Geschichtsinterpretation vor, ein Vaticinium ex eventu, in dem auch der Sohn verworfen und der Hoffnung auf das Erscheinen eines (endzeitlichen) Idealherrschers Ausdruck verliehen wurde. Ein solches Vorgehen findet im ganzen Mittelalter keine Parallele, so daß Birgitta zu Recht als »Ausnahmefrau« bezeichnet werden kann. Nicht einmal Königin Isabelle hat ihren Mann, Edward II., öffentlich dem Sodomievorwurf ausgesetzt.

Birgittas Ausführungen zur Sodomie und Höllenstrafen lassen sich indes mit einer langen und diversifizierten literarischen Tradition in Beziehung setzen. Sie weisen zahlreiche inhaltliche Gemeinsamkeiten mit »Visionen« anderer prominenter Frauen wie Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg und Katharina von Siena (sowie mit denen der weniger prominenten Begine Agnes Blannbekin) auf, auch wenn keine literargeschichtlichen Abhängigkeiten zwischen deren und ihren Werken bestehen. Vergleichbare Aspekte im Kampf gegen die Widernatur bilden: der Rekurs auf den Römerbrief, die Kritik an unzüchtigen Priestern und die Beschreibung der Höllenfoltern (auf der Basis älterer Vorlagen, vor allem der Visio Tnugdali). Im Unterschied zu Birgitta aber richten die drei zum Vergleich bemühten Frauen ihren Zeigefinger nicht auf konkrete Personen, sondern auf die moralische Verfaßtheit der Männer insgesamt, mitunter auch auf sogenannte Heiden und Juden (Mechthild von Magdeburg, Agnes Blannbekin).

In bezug auf die Geschlechterrollen verbleiben alle Frauen nach ihren eigenen Vorstellungen im Rahmen der traditionellen Ordnung, indem sie die Stärke der Männer, die virilitas, als moralische Qualität einfordern und die Schwäche der eigenen weiblichen Konstitution ostentativ überzeichnen. Faktisch aber durchbrechen sie die Schranken der Stereotype, indem sie sich selbst über den Weg der Brautmetaphorik priesterähnliche Prädikationen zulegen, in Gestalt der öffentlichen oder publikumswirksamen Predigt das paulinische Schweigegebot durchbrechen, und indem sie sich selbst als Trägerinnen der virilitas, als Frauen mit »männlichen Herzen« (Birgitta), begreifen und artikulieren. Wenn sie zudem das Abweichen von der prokreativen Sexualität in die Nähe des Dämonischen, Heidnischen und Gottesfeindlichen rücken, dies zudem mit einer unverkennbaren Freude am Skatologischen und Sadistischen untermalen, übernehmen sie einen Habitus, der sie den Männern allgemein und den Priestern insbesondere moralisch erhaben und sozial überlegen scheinen läßt. Durch diesen Habitus immunisieren sie sich vor der potentiellen Bedrohung durch die kirchliche Untersuchung und eignen sich einen Status der Akzeptanz und Verehrung an, der ihre postume Heiligsprechung einfordert und den eigendynamischen Weg durch den »Cursus honorum« der Ehrentitel vorzeichnet, der bis zu den Jubiläumsfeiern von heute reicht.



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Summary

The deliberations on King Magnus Eriksson followed two objectives: First, to present a late-medieval Scandinavian sovereign, almost unknown in German-speaking countries. The second goal was to disentangle the real monarch with »hermeneutic explanations« of the hagio- and historiographic denigrations. Magnus belongs to the famous »long-term rulers«, who characterize the 14th century as a special and unique epoch of dynasties and personalities. More than five decades his name was associated with the personal union or rather close cooperation with the kingdom of Norway. He established friendly relationships with England, France and with the Roman Emperor. Diplomatic tactics determined his politics towards Denmark, the counts of Holstein and the Hanseatic League, a political behaviour which could be easily compared to the modern idea of »balance of powers«: The continuous struggle with Denmark concerning the region of Schonen-Skåne forced him to mobilize the cities of the Hanseatic League as well as the counts of Holstein against Denmark. But at the same time he refused vital military assistance for the Hanseatic fleet during its dramatic battle against Denmark. As a matter of fact he was forced to share the reign with his sons very soon, he also was deprived of his power several times and finally he was deposed by the Count of Mecklenburg, Albrecht III, in 1364. Therefore he neither achieved considerable progress in uniting the Scandinavian kingdoms, nor could he set up a political profile comparable to his »long-term colleagues« on the European Continent. Considering Sweden’s domestic developments, he was responsible for a standardization of the law system (and therefore a standardization of the Swedish language and a growing nationalism. He also supported church properties and the refinement of courtly manners (thanks to the influence of his French wife). On the other hand, the name »Folkunger« is burdened with a series of bloody family affairs which were regarded to some extent as »continuation of politics by other means«. Nevertheless, they also hold responsible for the fast decline of the dynasty. The forced emigration and ultimate murder of his closest friend Bengt Algotsson intensified Magnus tendency towards unpredictable action and violence. But there is still no evidence that he was personally involved in politically motivated assassination.

The procedure of the so called »hermeneutic explanation«, the emphatic reconstruction of the royal vita including all of its restraints and problems, should contribute to liberate Magnus from unjustified attributions. Almost all of these attributions lead us back to one single person: his relative Birgitta Birgersdotter. Using biblical and literary stereotypes she is designing the portrait of a tyrant, who is depriving himself of his right to reign due to his sins, e.g. the sin of unnatural sexual behaviour, treachery, incompetence and hostile attitude towards the church. Contemporary records as well as subsequent Lutheran sources have adopted and expanded this image without any criticism. Unfortunately, this damnatio memoriae (condemnation of memories) also influenced German speaking authors, who used to ignore King Magnus completely or considered him only in terms of some marginal and negative footnotes. Disentangled of these denigrations Magnus no longer appears as a »tyrant« but rather as a physically and mentally overcharged sovereign, who wasn’t able to build up an independent predominance in the midst of different rivalling authorities, his mother’s entourage, the clans of his sons, the higher nobility, the higher clergy, the councils of the two kingdoms and the foreign, non-Swedish »beasts« (to use Birgitta’s metaphor).

For a better understanding of King Magnus it moreover has appeared to be helpful to compare him to other sovereigns of the 14th century who were also stigmatized with »sodomy« or »unnatural sexuality«. The biographies of the English Kings Edward II and Richard II and of King Wenzel (Václav) of Bohemia show amazing parallels even down to the details of their dethronement: the coronation in childhood and therefore the prevention of an appropriate education, dependence either on their mothers or on noble guardians, the increase of the royal retinue and the establishment of an influential camarilla, a general inclination to luxury and waste, the undeniable lack of interest in daily politics, and finally the tendency to aggressive behaviour and sadistic outbursts.
According to the sources, the – in that sense – »objective« behaviour of at least three »examples« (Edward, Richard, Magnus) towards their closest friends is characterized by three distinctive aspects: (1) a dependency or rather bondage of the king in all personal and political affairs; (2) the promotion of the kings’ friends to the highest and most profitable ranks, disregarding and ignoring local customs and traditions; (3) the public demonstration of emotions.
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The behaviour of Edward II illustrates perfectly the first aspect, the dependency of the king on his friends: Disregarding the present nobles he addresses ostentatiously his friend Piers Gasteston. The second aspect is revealed by the bestowal of principalities and sovereign titles on the monarch’s friends. Close relationships were sometimes even tightened by marriages between members of the royal family and the king’s comrades. The third feature is illustrated by joint public appearances, rides, hunting parties, tournaments and scenes of mutual mourning. The behaviour of the kings’ critics is determined by a strong desire to eliminate the opponents. They reveal thoughts about a »licence to kill«, an instrument obviously considered legal by the critics although not founded on law and justice. In two to three cases this elimination desire included the king himself: Edward and Richard were both victims of assassination whereas Magnus was thrown into a dungeon from which escape was considered impossible.

It was another objective of this research to find a different perspective on Birgitta Birgersdotter’s role far from the one-sided image of the hagiographic literature and inner disciplinary theological diversifications. Nevertheless, a reinterpretation of her complete work is necessary in order to integrate her into the field of political history. Therefore the methodological aid of »medievistic exegesis« as well as the assistance of »historical criticism« is needed. This kind of analysis has to keep a hermeneutic distance to the subject of examination and should always compare the actual statements to other contemporary sources. We tried to demonstrate the procedure of a reinterpretation by choosing a small but important text, chapter No. 80 of Revelationes Extravagantes. According to our interpretation Birgitta played an important political role after having been expelled from the royal court. She influenced the Swedish politics indirectly by supporting her son (Karl Ulfsson) and one of her sons-in-law (Bengt Filipsson) against the king in the years of 1361/1362. She accused the king of having »unnatural sex« with his friends, especially with Bengt Algotsson and therefore provoking God’s wrath against the country. She didn’t write a rebellious declaration of »prophetical dimensions«, but presented her theological interpretation of history after the reconciliation of King Magnus with his son Håkon VI in April/May 1363. In her Vaticinium ex eventu (»prophetical« retrospect) she condemned the son Håkon as well and she looked forward to the glorious appearance of an eschatological Holy Emperor. There is no comparable conduct in the Middle Ages, so Birgitta is perfectly right called an »exceptional woman«. Even Queen Isabelle didn’t accuse her husband Edward II of sodomy in public.

Nevertheless, Birgitta’s elaborations on sodomy and torments of hell follow a long and diversified literary tradition. The content reveals many similarities to »visions« of other famous women like Hildegard of Bingen, Mechthild of Magdeburg, Katherine of Siena (and to the almost unknown beguine Agnes Blannbekin of Vienna as well), although there is no historical and literary connection between their different works. We find similar aspects in their struggle against »perversity«: the reference to St Paul’s Roman letter, critical remarks on indecent priests and the description of hell torments (based on older texts, especially on the Visio Tnugdali). But unlike Birgitta, the above mentioned women don’t point their finger at concrete persons. They refer to the moral condition of men in general or sometimes to so-called Jews and Gentiles (Mechthild of Magdeburg, Agnes Blannbekin).

The women’s perspective on gender follows the rules of a traditional and conservative world perception. They demand strength of men (virilitas) as a moral quality and exaggerate their own female weakness. Nevertheless, they actually challenge the barriers of gender stereotypes: They achieve priestly dignity by using bride metaphors, they disregard St Paul’s order of silence by preaching in public and teaching people, and they even occupy the male qualities of the virilitas by calling themselves »women with male hearts« (Birgitta). Whenever they relate the deviation of procreative sexuality to the demoniac, pagan and impious sphere - therefore using with great pleasure scatological and sadistic expressions – they demonstrate a habit of moral and social superiority to men in general and priests in particular. This habit immunizes them against the constant threat of the ecclesiastical inquisition. At the same time they acquire a state of acceptance and admiration which demands their posthumous canonization and shows the self-dynamic »cursus honorum« (walk of fame), leading consequently to the present jubilees.
Christiane Munder


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Sammanfattning

Utläggningarna om Magnus Eriksson tjänade två syften: För det ena att presentera en i det tyska språkområdet nästan okänd härskare ur det senmedeltida Skandinavien, för det andra försöket att fria denna person genom en »förstående tolkning« från förvrängningarna i hagio- och historiografierna. Magnus hör till den rad av berömda »långtidsregenter«, som ger 1300-talet en särskild prägel som en epok av dynastier och personer. Över mer än fem årtionden stod hans namn för en personalunion eller tätt kooperation med Kungariket Norge, för en vänskap med England, Frankrike och den romerske kejsaren såväl som för en diplomatisk taktik gentemot Danmark, Holstein och Hansan, som kan ses i modern abstraktion som politik av »balance of powers«: Å ena sidan försökte han mobilisera Hansan och Holstein mot Danmark i den ständiga grälen om Skåne, å andra sidan vägrade han Hansan den livsviktiga inflyttningen, när det gällde att slå Danmark. Att han tidigt måste dela regentskapet med sina söner, att han flera gånger berövades makten och till slut (1364) avlösades av Albrekt (III.) av Mecklenburg, förhindrade dock att han nådde större framsteg mot ett skandinaviskt unionskungadöme och kunde vinna en politisk profil som motsvarade de andra »långtidskollegornas« på det europeiska fastlandet. Inrikes står hans namn för en standardisering av rättssystemet (och därmed också av svenska språket och av nationalkänslan), för främjandet av kyrkliga innehav och för förfinandet av de hoviska sederna (tack vare det franska inflytandet). Å andra sidan är namnet »Folkungar« belastat med en rad innerfamiljära blodsdåd som förstods som ett slags »fortsättning av politik med andra medel« och till slut hjälpte till att påskynda Folkungaättens undergång. Att hans närmaste vän Bengt Algotsson blev landsförvisad och dödad ökade i Magnus tendensen till oberäkneliga aktioner och våld, utan att det kan bedömas om han också personligen bär skuld till politiska uppdragsmord.

Den »förstående tolkning«, den empatiska inlevelsen i den kungliga biografin i alla tvång och problemer skulle bidra till att fria Magnus från oberättigade tillskrivningar. De härledas nästan uteslutande från en enda person, av hans släkting Birgitta Birgersdotter: Hon skisserar – under användning av bibliska och litterära stereotyper – bilden av en tyrann som har förverkad sin rätt att utöva makten genom synden av vedernaturligt könsumgänge och genom förräderi, oduglighet och okyrklighet. I samtida och i senare, lutheriska källor övertogs och utvidgades dessa förställningar okritiskt. Följden av denna »damnatio memoriae« är att den tyska historieskrivningen hittills antingen ignorerar Kung Magnus fullständigt eller har försedd honom med bara negativa randanmärkningar. Friad från dessa förvrängningar träder Magnus inte fram som »tyrann« men som en fysisk och psykisk överansträngd härskare som inte ägde kraften att bygga upp en självständig maktposition mellan de olika rivaliserande instanser: sin mors miljö, sina söner, högadeln, prästerskapet, rådsinstanserna av två kungariken och de utomsvenska »rovdjuren« (för att använda Birgittas bild).

För att förstå bättre tycks det dessutom vara hjälpsamt att jämföra Kung Magnus med andra 1300-talets härskare, som också blev försedda med stigman »sodomi« eller »vedernaturlig otukt«. Mellan Edward II., Richard II och Kung Wenzel finns häpnadsväckande biografiska och politiska paralleller som omfattar även detaljer i avsättningsdomen: Upphöjningen i barnaåldern och därmed förhindringen av en lämplig utbildning, beroendet av moderliga eller adliga förmyndare, ökningen av personalbunden hovstat och uppbyggningen av en inflytelserik kamarilla, den allmänna benägenheten till lyx och slöseri, den objektiva bristen på interesse för dagspolitikens primat, tendensen till otyglade aggressioner ända fram till sadistiska utfall.

Kungarnas beteende mot deras närmaste vänner, som det är styrkt av källorna och på detta sättet objektivt, utmärks åtminstone i tre »fall« (Edward, Richard, Magnus) av tre moment: genom kungens absoluta beroende i alla personliga och politiska frågor, genom vännernas traditionsvidriga befordran till de högsta och mest vinstgivande ämbeten och genom den emotionala känslans förytligande. Första momentet, beroendet, förtydligas exemplariskt genom Edward II, som behandlar närvarande stormän som luft och ostentativt byter ord med sin vän (Piers Gasteston); andra momentet visas i utdelning av furste- och regenttitlar och (delvis) i vännernas »släknisering« till den kungliga familjen; det tredje i gemensamt uppträdande, jakter, tävlingar och sorgescener. Kungskritikernas beteende bestäms i alla fall av en deterministisk vilja att förinta; det uppenbarar förställningarna om en straffri licens att döda, som inte var begrundad i rätt och lag. Denna vilja att förinta grep i två eller tre fall kungens person. Medan Edward och Richard blev mördad direkt, kastades Magnus i ett fängelse ur vilket det efter allmän uppfattning inte gick att klara sig ur.

Ett ytterligare syfte med denna undersökning var att lösa Birgitta Birgersdotters roll ur hagiografiska litteraturens klammergrepp och ur den innerdisciplinära teologiseringen. Men för denna kvinnas integration i historiens bakgrund behövs det en ny interpretation av hennes samlade verk, som å ena sidan begagnar sig av alla »Exegesens« metodiska hjälp som finns att få inom vetenskap av medeltiden, å andra sidan av alla historisk-kritiska källanalysens hjälpmedel. En sådan analys måste hålla en hermeneutisk distans till sin åskadningsobjekt och alltid jämföra de påträffade påståenden med andra samtida källor. Vid Revelationes Extravagantes 80. kapitlet, en kort, central text, försöktes exemplariskt att visa hur en sådan nyinterpretation skulle kunna te sig. Birgittas politiska roll bestod efter vår interpretation i att hon efter sitt avsked från hovet utövade indirekt inflytande på den svenska politiken genom att stödja sin son (Karl Ulfsson) och en av sina svärsöner (Bengt Filipsson) i åren 1361/1362 i kampen mot Kung Magnus Eriksson. Hon förebrådde honom att driva »vedernaturligt otukt«, i synnerhet med Bengt Algotsson, och att frammana Guds vrede över landet. Hon författade inget »profetiskt upprorprogram«, men efter Magnus’ återförsoning med Håkon VI (april/maj 1363) lade hon fram en teologisk historieinterpretation, en »Vaticinium ex eventu«, däri också sonen blev förkastad och hon gav uttryck åt förhoppningen på en (slutgiltiga) idealhärskares uppenbarelse. Det finns inga paralleller för ett sådant framträdande i hela medeltiden, så att Birgitta med rätta kallas »undantagskvinna«. Inte ens drottning Isabelle hade utsatt sin man Edward II. offentligt för sodomiförebråelsen.

Birgittas redogörelser om sodomi och helvetes straff kan dock sättas i relation med en lång och diversifierande litterär tradition. De visar upp många gemensamheter i innehållet med andra prominenta kvinnors »visioner«, som hos Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg och Katharina von Siena (och också hos den mindre prominenta Beginen Agnes Blannekin), även om det inte finns några litteraturhistoriska beroenden mellan deras och hennes verk. Jämförbara aspekter i kampen mot vedernaturen utgör rekursen på romarebrev, kritiken mot otuktiga präst och helvetestortyrens beskrivningar (framför allt på basis av Visio Tnugdali). Men till skillnad från Birgitta pekar de tre för jämförelse anförda kvinnor inte på konkreta personer men på männens moraliska skick i allmänhet, ibland också på såkallade hedningar och judar (Mechthild von Magdeburg, Agnes Blannbekin).
Beträffande könsrollen stannar alla kvinnor i sina egna förställningar inom den traditionella samhällsordningen, genom att de kräver männens styrka, virilitas, som moralisk kvalitet och övertecknar ostentativt den egna kvinnliga konstitutionens svaghet; men faktiskt bryter de genom stereotypers bommar: De lägger sig själva i prästliknande predikationer genom brudmetaforiken, de bryter den pauliniska tystnadsplikten med offentliga eller publikdragande predikan, och de förstår sig själva i sina virilitas, sin »manlig hjärta« (Birgitta) och yttrar sig. När de dessutom flytter avvikandet från den prokreativa sexualiteten i närheten av det demoniska, hedniska och gudsfientliga, och illustrerar detta med ett omisskännligt nöje i det skatologiska och sadistiska, övertar de en habitus, inom vilken de kan känna sig männen i allmänhet och prästerna i synnerhet moraliskt överlägsna. Genom denna habitus immuniserar de sig mot det möjliga hotet av en kyrklig undersökning och tillägnar sig ett status av acceptering och vördnad, som kräver deras postuma helgonförklaring och utstakar den egendynamiska vägen genom hederstitlars »cursus honorum« – till nutida jubileumsfester.
Andrea Seliger
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