Prof.-Dr. Bernd-Ulrich Hergemöller
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  Prof. Dr. Bernd-Ulrich Hergemöller
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48155 Münster
 
Schlaflose Naechte
Hergemöller, Bernd-Ulrich: Schlaflose Nächte : der Schlaf als metaphorische, moralische und metaphysische Größe im Mittelalter / Bernd-Ulrich Hergemöller. - Hamburg : HHL-Verl., 2002. - 194 S. ; 25 cm
(Hergemöllers historiographische Libelli ; 2)
Literaturverz. S. 5 - 26
ISBN 3-936152-02-0 kart.



Inhalt

Vorwort
Verzeichnis der Abkürzungen und Sigla
Abkürzungen und Spezialsigla
Sigla der biblischen Bücher
Literaturverzeichnis
Quellen
Darstellungen
Einleitung: Tertium vitae
Metaphorik
Licht und Finsternis
Domäne der Dämonen
Todes Bruder
Moral
Schlaf des Gerechten
Agrypnia
Wurzeln: Platon, Stoa, Mani
Christliche Philosophen und Theologen
Anachoreten und Koinobiten
Mittelalterliche Theologen
Motive und Funktionen: Zusammenfassung
Laus nocturna
Wurzeln: Militär, Mysterien, Judentum
Pentateuch, Essener, Frühchristentum
Cura pervigil
Metaphysik
Visio nocturna
Schlaf Gottes, Zauberschlaf
Schlafende Kaiser
Todes Bruder
Heilige Schläfer
Erstling der Entschlafenen
Heilschlaf
Schlafentwertung, Schlafentzug: Gestern - heute - morgen
Verzeichnis von Fachausdrücken
Personenindex
Verzeichnis der Schriftzitate
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Vorwort

Wie auf ein geheimes Kommando pflegen sich die Historiker(innen) scharenweise den jeweiligen, von selbsternannten Autoritäten, kommerziellen Interessen und ominösen "Zeitgeistern" ausgerufenen Modewellen anzuschließen und pleonastische Bücher zu bestimmten Ereignissen (vor allem zu den großen Ausstellungen) und zu jeweils aktuellen methodischen Strömungen zu produzieren. Das meiste davon ist dem raschen Vergessen geweiht: zum einen, weil die dort mitgeteilten Fakten allseits bekannt sind, zum anderen, weil die oberflächliche Adaptation exogener Theorien und Methoden dazu tendiert, zügig durch andere oberflächliche Adaptationen abgelöst zu werden. Hierbei könnte es scheinen, als seien alle wichtigen Inhalte und Probleme des Mittelalters bereits hinreichend bearbeitet und öffentlichkeitswirksam präsentiert. Daß dem nicht so ist, beweisen vor allem die großen, ungehobenen Bestände der kommunalen, staatlichen und kirchlichen Archive. Dies beweisen aber auch die noch immer bestehenden "weißen Stellen", die Defizite und Tabus, die davon zeugen, daß die Themenwahl von einer höchst selektiven, von zahlreichen Generationen sozial-hereditär geprägten Interessenlage geprägt ist. Einigen dieser Lücken habe ich mich in den vergangenen Jahren zugewandt, insbesondere den "Homosexuellen" und ihrer Verfolgung in Spätmittelalter und Frühneuzeit. Ein ganz anderes Defizit soll mit vorliegendem Traktat beleuchtet werden. Der Schlaf. Der Schlaf stellt wohl den einzigen Bereich der historischen Anthropologie und Alltagsgeschichte dar, welcher noch nicht gewürdigt worden ist, obwohl er etwa ein Drittel des menschlichen Lebens einnimmt. Vorliegendes Essay soll also die Aufmerksamkeit auf einige wichtige Aspekte des Schlafdiskurses in Spätantike und Mittelalter lenken und zu weiteren Forschungen anregen, die selbstverständlich über das Mittelalter hinaus bis in die Gegenwart reichen könnten.
Mein Dank gilt meiner studentischen Mitarbeiterin Lucie Kuhse: Sie focht den täglichen Kampf mit den Hamburger Bibliotheken aus, was in der Praxis bedeutet, daß fast alles, was nur im Entfernten nach mittelalterlicher Theologie roch, mühsam über Fernleihe bestellt werden mußte. Mediävistik in Hamburg zu treiben, ist nicht zuletzt aus diesem Grund eine Form der Selbstqual und Askese, an der die alten Wüstenväter ihre helle Freude gehabt hätten.
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